Unverträglichkeiten gegen Duftstoffe
Bislang ist im Zusammenhang mit dem Einsatz von Rohstoffen, die auch als Riechstoffe Einsatz finden, vor allem ein erhöhtes Auftreten von Kontaktallergien dokumentiert. Für andere gesundheitliche Effekte liegen keine konkreten Indizien vor.
Die Prüfung auf eine kontaktallergene Wirkung gehört unter der REACH-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) zu den Basisprüfungen. Zusätzliche Sicherheit wird dadurch gewährleistet, dass auch die Endprodukte, in denen die Duftstoffe zum Einsatz kommen, vor ihrer Marktzulassung sicherheitstechnisch bewertet werden. Zudem hat die Riechstoffindustrie ihr Program zum verantwortungsvollen Einsatz von Riechstoffen (IFRA-Standard – www.ifrafragrance.org) welches seit über 50 Jahren besteht permanent verbessert und vor allem im Hinblick auf das Risiko von Kontaktallergien ein spezielles, von der europäischen Kommission unterstütztes Projekt ins Leben gerufen um das Risikomanagement kritisch zu überprüfen und weiter zu verbessern (www.ideaproject.info).
Unverträglichkeitsreaktionen gegenüber einem bestimmten parfümierten Produkt können auf einer individuellen Empfindlichkeit des Konsumenten gegenüber gewissen Duftstoffen beruhen. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Unverträglichkeiten um Hautreaktionen, wie zum Beispiel Reizungen (Irritationen). Sie gehen meist mit Juckreiz oder Rötung einher, klingen in der Regel aber rasch wieder ab.
Eine Allergie wird durch eine nachhaltige Reaktion des Immunsystems bestimmt. Hierbei hat das Individuum in seiner Immunreaktion eine sogenannte Sensibilisierung gegen gewisse Duftstoffe ausgebildet, die bei weiterem Kontakt (möglicherweise) zu einer länger anhaltenden allergischen Hautreaktion führen können.
Eine Unverträglichkeit kennzeichnet sich also durch eine nicht-immunologische Reaktion aus, während eine Allergie eine immunologische Reaktion auf bestimmte Stoffe darstellt.
In seltenen Fällen berichten Personen von unspezifischen Beschwerden, die die Betroffenen auf minimale Chemikalienexposition oder Umweltbelastungen zurückführen. Für diese Multiple Chemikaliensensibilität (MCS) gibt es jedoch nur wenige und nur sehr schwache wissenschaftliche Belege.[1]
So wurden beispielsweise im Auftrag des Umweltbundesamtes drei Studien des Robert Koch-Instituts zum MCS-Syndrom koordiniert, die allesamt keine wissenschaftlich belegbaren Mechanismen für die Entstehung von MCS fanden.[2]
Auch der Bundesregierung lagen in ihrer Antwort vom 18.12.2018 auf eine Kleine Anfrage keine Erkenntnisse zu Personen vor, die von Unverträglichkeitsreaktionen auf luftgetragene Duftstoffe betroffen sind.[3] Ihr liegen zudem keine Informationen über gesundheitliche Effekte für Beschäftigte in bedufteten Räumen durch Duftstoffe vor. Ein erhöhtes Auftreten von Kontaktallergien seien bei einer Raumbeduftung kaum zu erwarten. Andere gesundheitliche Effekte, darunter Atemwegsallergien, seien für Duftstoffe bisher nicht bekannt geworden.[4]
Trotz fehlender Evidenz ist die Belastung für Betroffene real und oft erheblich. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher eine interdisziplinäre Abklärung, um andere Erkrankungen auszuschließen und Begleiterkrankungen zu behandeln. Auch können eine Unterstützung im Alltag sowie kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln.[5]
Auf der anderen Seite gibt es auch eine Vielzahl von Publikationen, welche die positive Wirkung von Duftstoffen auf das Wohlbefinden der exponierten Personen belegen.[6]
Weitere Informationen zur Entstehung und Verhinderung von allergischen Hautreaktionen finden Sie in unserem Q&A Duftstoffe.
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[1] Basketter et al., Fragrance inhalation and adverse health effects: The question of causation. Regulatory Toxicology and Pharmacology 104 (2019) 151-156
[2] https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/umweltmedizin/multiple-chemikaliensensibilitaet unter Verweis auf Eis, D., Helm, D., Mühlinghaus, T., Birkner, N., Dietel, A., Eikmann, T., … & Gil, F. P. (2008). The German multicentre study on multiple chemical sensitivity (MCS). International journal of hygiene and environmental health, 211(5), 658-681.)
[3] Deutscher Bundestag, Drucksache 19/6578 – 18.12.2018
[4] Deutscher Bundestag, Drucksache 19/6578 – 18.12.2018
[5] https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/umweltmedizin/multiple-chemikaliensensibilitaet
[6] Stellvertretend für viele: Hanns Hatt, Regine Dee: Die Lust am Duft – Wie Gerüche uns verführen und heilen



