Fotos: fotak.de
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Interview mit Dr. Julia Haushälter, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Forschung und Entwicklung bei der Miltitz Aromatics GmbH in Bitterfeld-Wolfen

Frau Haushälter, welchen Ausbildungshintergrund haben Sie?

Ich bin promovierte Chemikerin und habe in Freiberg und Leipzig studiert. In meiner Promotion beschäftigte ich mich mit phosphorhaltigen Containermolekülen.

Wie kamen Sie zu Ihrer Tätigkeit und was ist das Besondere daran?

Nach der Promotion wollte ich in die Wirtschaft, dabei aber den Bezug zur Forschung behalten. Bei der Wahl meines zukünftigen Arbeitgebers war es mir wichtig, dass die Kommunikationswege kurz sind und ich bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in der Produktion unmittelbar beteiligt bin.

Ich bin inzwischen seit April 2013 in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Miltitz Aromatics tätig. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit Synthesen, das heißt der Erarbeitung von chemischen Herstellungsverfahren für neue Duftstoffmoleküle. Tatsächlich habe ich hier meinen Wunschberuf gefunden: Ich kann die Umsetzung von „Laborerfolgen“ direkt im großen Maßstab in der Produktion mitverfolgen und bin in die gesamte Kommunikationskette eng eingebunden.

Was ist morgens Ihr erster Arbeitsschritt, nachdem Sie sich einen Kaffee genommen haben?

PC hochfahren, E-Mails lesen, so startet der Tag im Büro. Anschließend geht es aber gleich ins Labor um meine Kollegen zu begrüßen und zu sehen wie die Versuchsansätze vom Vortag gelaufen sind. Dieser Routinegang hält immer Überraschungen bereit!

Zusammenarbeit im Labor

Was sind Ihre Kerntätigkeiten – zusammengefasst für Laien?

Riechstoffe und Aromen werden unter anderem durch chemische Produktionsverfahren hergestellt. Warum? Natürliche Quellen können den weltweiten Bedarf nicht decken. Ich erarbeite daher für mein Unternehmen die chemischen Wege, um Riechstoffe und Aromen herzustellen, beziehungsweise den bisherigen Produktionsprozess effizienter zu gestalten. Als Teil des sogenannten Sensorikpanels bin ich auch für den sensorische Bewertung der hergestellten Produkte verantwortlich. Das Sensorikpanel besteht aus fünf Sensorikern, in unserem Fall sind das fünf Chemiker, vier aus dem Bereich Forschung und Entwicklung und eine Chemikerin aus dem Bereich Vertrieb und Marketing, die die Aufgabe haben, die hergestellten Produkte beziehungsweise die einzelnen Fraktionen einer Destillation sensorisch zu bewerten. Dazu werden Riechstreifen in die Proben getaucht und mit einer Standardprobe zum Vergleich abgerochen. Die Proben dürfen keine Fehlgerüche aufweisen und müssen mit dem Standard identisch sein. Erst dann erfolgt die Freigabe für die weitere Verarbeitung wie die Abfüllung von Fertigprodukten oder die Herstellung von Mischungen. Sensorisch überprüfen wir auch Rohstoffe vor der Freigabe für den Produktionsprozess.

Was sind Ihre größten Herausforderungen in ihrem Beruf und Ihrer Branche?

Ein großer Teil meiner Forschungstätigkeit beschäftigt sich damit, Stoff- und Verfahrensrisiken zu minimieren und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit zu optimieren. Die Herausforderung für unsere Branche: viele Menschen sind gegenüber der Chemieindustrie sehr skeptisch. Das schließt die naturidentischen Riech- und Aromastoffe mit ein. Insofern ist es richtig und wichtig, dass wir als Aromen und Duftstoffhersteller die Sorgen der Verbraucher ernst nehmen.

Aus meinem privaten Umfeld weiß ich, dass viele Menschen sich schwertun, das Positive, dass sie mit Duftstoffen verbinden, wie Emotionen, Sauberkeit, angenehme Lebensart, mit dem Begriff Chemie zu verbinden. Dabei sind alle Stoffe – ob natürlich oder synthetisch – nach den Prinzipien der Chemie aufgebaut!

Düfte testen im Abriechraum

Mit welchen Kollegen arbeiten Sie eng zusammen?

Hauptsächlich natürlich mit den Kolleginnen und Kollegen der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Aber auch mit der Produktion und dem Vertriebs- und Marketingteam herrscht ein enger Austausch. Jeden Morgen gibt es einen „jour fixe“, wo alle Verantwortlichen inklusive des Chefs am Tisch sitzen und die operativen Aufgaben besprechen. Dabei sind gerade die Chemikerinnen und Chemiker angesprochen, sich gedanklich mit den akuten Produktionsaufgaben zu beschäftigen.

Was fasziniert Sie an der Duftstoffindustrie?

Eigentlich ist es die Chemie, die dahinter steckt. Dass man Moleküle so „formen und gestalten“ kann, dass sie bestimmte sensorische Eigenschaften aufweisen. Und dass man auch die natürlich vorkommenden Duftstoffe im Labor eins zu eins „nachbauen“ kann!

Was ist Ihr Lieblingsduft?

Ich mag ehr die fruchtig, frischeren Düfte, die beispielsweise nach Grapefruit riechen.

Welche Duftrichtungen entwickeln Sie? Welche Vorbilder haben Sie dabei in der Natur?

Wir entwickeln keine bestimmte Duftrichtung. Wir stellen die einzelnen Komponenten her, die unsere Kunden dann unter anderem in ihren Duftkompositionen einsetzen. Unsere Produkte sind dabei olfaktorisch sehr verschieden. So reichen sie von blumig, grün, veilchenartig über frisch-fruchtig, citrusartig, krautig bis hin zu fruchtig-fettig, holzig und amberartig.

In welcher Art von Produkten werden die Duftstoffe eingesetzt und welche Eigenschaften haben sie?

Unsere Produkte werden sowohl in Kosmetikprodukten wie Parfums, Bodylotions und Duschgelen eingesetzt als auch in Reinigungsmitteln. Für den Einsatz in Reinigungsmittel ist es wichtig, dass die Produkte stabil gegenüber Laugen sind.

Bei Düften reichen kleinste Mengen für die sensorische Prüfung

Welche Kunden hat Ihr Unternehmen?

Wir beliefern Kunden weltweit. Unser Portfolio umfasst etwa 100 Produkte der Feinchemie, von klassischen Komponenten der Parfumerie bis zu agrochemischen Zwischenprodukten.

Welche Vorteile haben synthetische Duftstoffe?

Der Bedarf an Duft- und Aromastoffen ist stetig gestiegen und kann nicht mehr nachhaltig ausschließlich aus natürlichen Quellen gedeckt werden. So braucht man etwa für die Herstellung von einem Kilogramm reinem Rosenöl fünf Tonnen Rosenblüten, das heißt man benötigt riesige Flächen mit Monokulturen. Aus diesem Grund beschäftigen sich bereits seit dem 19. Jahrhundert Forscher damit, natürlich vorkommende Duftstoffmoleküle mittels chemischer Synthese nachzubilden. Inzwischen ersetzen viele synthetische Substanzen die natürlichen. Die Chemie ermöglicht eine großvolumige Produktion mit gleichbleibender Qualität und geringeren Preisschwankungen. Sie ist weder vom Klima, dem Wetter, noch den Ernteausbeuten der Rohstoffe abhängig. Synthetisch erzeugte Riech- und Aromastoffe sind darüber hinaus zumeist sehr rein, was eine eindeutigere Abschätzung des Gefährdungspotenzials für Mensch, Natur und Umwelt gegenüber natürlichen Ölen mit einer Vielzahl variierender Nebenkomponenten erlaubt.

Für die Verwendung von synthetischen Duftstoffen spricht zudem der Schutz der Biodiversität. Damals waren neben den in Pflanzen vorkommenden Duftstoffen auch jene aus Tieren relevant, wie zum Beispiel der Moschusduft aus dem Drüsensekret des Moschushirschs, Ambra, eine Substanz aus dem Verdauungstrakt des Pottwals, und Zibet, ein Duftstoff aus den Drüsen der Zibetkatze. Die Düfte waren beliebt und wertvoll: so mussten damals für ein Kilogramm des natürlichen Moschusduftes 160 Moschushirsche geschlachtet werden. Moschusochsen, so wie die anderen genannten Tiere, sind bereits seit langer Zeit geschützt, so dass der Handel mit deren Produkten illegal ist. Durch den Einsatz von synthetischen Duftstoffen kommen wir heute dennoch in den Genuss dieser betörenden Düfte.


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