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Eine kurze Geschichte der Parfümerie: vom Rauch zum Duft

Geruchseindrücke faszinieren die Menschen seit dem Altertum. Sie sind fest verbunden mit religiösen oder mythischen Ritualen und haben seit jeher eine besondere Bedeutung im sozialen Leben und der Kultur. Ursprünglich nur Göttern und Herrschern vorbehalten, sind die schönen Düfte heute Teil unseres Alltags.

Uralter Mythos: Rituale für Götter und Schönheit

Die ersten Wohlgerüche schufen Menschen durch das Abbrennen von Räucherwerk. Unser heute verwendetes Wort Parfüm leitet sich vom lateinischen „per fumum“ ab, was „durch Rauch“ bedeutet. Ursprünglich diente das Verbrennen von Pflanzen und Hölzern jedoch nicht dem eigenen Wohlbefinden, sondern der Huldigung der Götter. Schon vor 5.000 Jahren verbrannten die Ägypter duftende Blumen, Kräuter und Harze zu Ehren des Sonnengottes Re. Auch die Babylonier und Römer schickten ihre Gebete in Begleitung von duftendem Räucherwerk gen Himmel. Die Menschen glaubten, ihre Wünsche würden mit dem wohlriechenden Rauch die Götter schneller erreichen, zugleich versetzten die berauschenden Schwaden sie in religiöse Ekstase. Neben Räucheringredienzien spielten bei den Ägyptern auch duftende Salben eine Rolle. Kleopatra soll diese genutzt haben, um ihre verführerische Wirkung zu erhöhen. Auch die reichen Griechen und Römer badeten in duftendem Wasser und verteilten kostbare Öle und Salben auf ihrer Haut.

Luxus à la Paris: Frankreich als Wiege der modernen Parfümerie

Caterina de’ Medici brachte im 16. Jahrhundert die Kunst der Parfümerie an den französischen Hof. Sie verhalf auch der südfranzösischen Stadt Grasse zu großer Bekanntheit. Die ortsansässigen Handschuhmacher nutzten die edlen Duftwässer, um ihr gegerbtes Leder zu parfümieren. 1614 wurde für sie durch königliche Patenturkunde der Titel „Maître Gantier Parfumeur“ eingeführt. Zu den berühmtesten Kundinnen der französischen Dufthändler gehörte im 18. Jahrhundert Madame de Pompadour, die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Pro Jahr soll sie eine halbe Million Francs für Duftwässer und wohlriechende Salben ausgegeben haben, um sich dessen Gunst zu erhalten.

Bis ins frühe 19. Jahrhundert bestanden Parfüms aus rein natürlichen Inhaltsstoffen. Hauptsächlich wurden pflanzliche Auszüge sowie tierische Produkte wie Moschus, Ambra oder Zibet verwendet. Eines der ersten modernen Parfüms, „L’ Eau de Lubin“, wurde 1798 in Paris kreiert. Es enthielt Auszüge von Zitrus, Tonka, Tuberose, Benzoe und Vanille.

Der Chemie sei Dank: die Anfänge der Parfümerie in Deutschland

Im Gegensatz zur französischen Parfümerie, deren Rohstoffe unter optimalen klimatischen Bedingungen gedeihen konnten, verdankt die deutsche Duftstoffindustrie ihr Entstehen vor allem der Forschung in der Chemie. Als Wiege der Duftstoffindustrie gilt die 1829 in Leipzig gegründete Firma Spahn & Büttner, später unter dem Namen Schimmel & Co. bekannt. Sie beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Handel von Arzneidrogen. Die wissenschaftlichen Entwicklungen der Firma bildeten die Grundlage für Technologien, die noch heute in der Industrie verwendet werden. Schriften wie „Die ätherischen Öle“, veröffentlicht von den Doktoren Gildemeister und Hoffmann (1899), und „Theorie der Gewinnung und Trennung der ätherischen Öle durch Destillation“ von Dr. Carl von Rechenberg (1908) dienten als Grundlage für die Herstellung und Nutzung dieser Produkte. Weitere Duftstoffunternehmen entstanden in Hamburg, Holzminden und München.

Eine neue Welt: synthetische Duftstoffe

Die chemische Synthese von Duftstoffen gilt als Meilenstein der modernen Parfümerie. Im Jahr 1834 wurde erstmalig Zimtaldehyd aus Zimtrindenöl isoliert. 1875 gelang es den deutschen Chemikern Ferdinand Tiemann und Wilhelm Haarmann erstmalig, Vanillin durch einen Oxidationsprozess aus Coniferin, das im Saft von Nadelhölzern vorkommt, herzustellen. Es folgte die Synthese von Cumarin, das für den Heugeruch beim Trocknen von Gras verantwortlich ist. Schon bald entdeckte die Parfümerie die neuen kreativen Möglichkeiten, die sich durch die chemische Industrie erschlossen.

Als Revolution der Duftgeschichte gilt das Parfüm „Jicky“ von Guerlain (1889), der erste Duft mit synthetisch erzeugter Vanille. Jicky ahmte nicht mehr einen natürlichen Duft nach, sondern schuf ein „Gefühl im Flakon“ (Paul Guerlain); es wirkte erotisch, magisch und verwirrend. Weitere Parfüms, die synthetische Bestandteile enthielten, waren „Fougère Royale“ von Houbigant (1882), „La Rose Jaqueminot“ von Coty (1904), „Après L’ Ondée“ von Guerlain (1906) und „Quelques Fleurs“ von Houbigant (1912).

Guter Duft für alle: die Ära der Massendüfte

Mit der Möglichkeit, Duftstoffe synthetisch in großem Maßstab herzustellen, begann eine neue Ära der Parfümerie. Duftstoffe standen nun sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht ausreichend zur Verfügung. Das starke Wachstum des Konsumgütermarktes in den 1950er und 1960er Jahren führte auch zu einer starken Expansion der Duftstoffindustrie.


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