Ray Morris: Frozen in Ice. CC BY-NC-ND 2.0

Foto: „Frozen in Ice“ von Ray Morris (CC BY NC ND 2.0)

Duftlexikon

Woraus besteht eigentlich ein Duftstoff und wie entsteht Geruch? Wie macht man Duft? Was ist ein Parfümöl? Dieses kleine Lexikon erläutert einige der grundlegenden Begrifflichkeiten.

Wie entsteht ein Geruch?

Chemisch gesehen sind Riechstoffe flüchtige Moleküle, die aus den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff oder Sauerstoff, manchmal auch Stickstoff oder Schwefel zusammengesetzt sind. Ihre Eigenschaft besteht darin, dass sie bei normaler Umgebungstemperatur verdampfen und dass sie in diesem gasförmigen Zustand in den Riechzellen der menschlichen Nase ein Signal auslösen können. Riechstoffe werden durch physikalische Verfahren aus natürlichen Rohstoffen gewonnen oder durch chemische Synthese hergestellt. Zu den natürlichen Riechstoffen zählen beispielsweise ätherische Öle, Extrakte oder Harze. Das Spektrum der Riechstoffindustrie umfasst über 3.000 Substanzen, die in unterschiedlichen Mengen in den Parfümrezepturen eingesetzt werden. Das Wort Duftstoff wird oft synonym zu Riechstoff verwendet. Für den Laien ist das Wort Duft (aus dem Althochdeutschen: Dunst, Nebel) positiv besetzt, Duftstoffe umfassen jedoch alle vom Menschen riechbaren Stoffe. Deshalb werden auch unangenehm riechende Stoffe in der Parfümbranche als Duftstoffe bezeichnet.

Parfümöl

Ein Parfümöl ist eine Duftstoffkomposition, das heißt eine konzentrierte Mischung verschiedener natürlicher und synthetischer Duftstoffe. Eine solche Mischung besteht in der Regel aus 30 bis 80 Einzelstoffen, manche Kompositionen beinhalten sogar bis zu 150 Komponenten. Parfümöle werden kosmetischen Produkten, Haar- und Hautpflegeprodukten sowie Reinigungs- und Waschmitteln zugesetzt, um ihnen einen angenehmen Geruch zu verleihen. (Link zu Industrie und Einsatzmöglichkeiten)

Parfüm

Ein Parfüm ist ein Gemisch aus einem Parfümöl, Alkohol und Wasser. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Konzentrationen bei Parfüms finden Sie hier.

Naturstoffe

Duftstoffe natürlichen Ursprungs sind beispiesweise ätherische Öle, Extrakte und Harze. Sie können aus nahezu allen Pflanzenteilen gewonnen werden: aus Blüten, Blättern, Früchten, Holz oder Wurzeln. Sie können aus einer Vielzahl sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe aufgebaut sein, manchmal aus über fünfzig analysierbaren Einzelsubstanzen. In der Natur können diese Substanzen vielfältige Zwecke erfüllen, zum Beispiel Schädlinge fernhalten oder Insekten zur Bestäubung anlocken.

Durch Wasserdampfdestillation, trockene Destillation, durch mechanische Prozesse wie der „Expression“, insbesondere bei Zitrusfrüchten oder durch physikalisch-chemische Prozesse wie der Extraktion können diese Substanzen aus den Pflanzenteilen herausgelöst werden. Ätherische Öle werden durch Destillation oder Expression, sogenannte „Concretes“ beziehungsweise „Absolutes“ durch Extraktion und weitere physikalische Aufarbeitungsschritte gewonnen.

Einige Harze aus gewissen Pflanzen werden aber auch als solche in der Parfümkomposition eingesetzt, zum Beispiel Weihrauch und Myrrhe. Diese Naturstoffe besitzen einen intensiven Duft, der dem der Ursprungspflanze oft sehr ähnlich ist. Die gewonnenen Naturstoffe werden zum einen als Baustein für Duftkompositionen, als Rohmaterial für die Gewinnung weiterer Riechstoffe und für Medikamente verwendet. Zum anderen verwendet sie die Lebensmittelindustrie zur Aromatisierung.

Extrakte aus Rohstoffen tierischen Ursprungs spielen aufgrund moralischer und ethischer Grundsätze inzwischen keinerlei oder eine mengenmäßig untergeordnete Rolle, Beispiele sind hier das Sekret des Bibers oder des Moschusochsen oder das Ambra des Pottwals. Sie werden inzwischen durch synthetisch erzeugte Duftstoffe ersetzt.

Ätherische Öle

Pflanzenduft beruht im Wesentlichen auf den von ihnen erzeugten ätherischen Ölen. Der wegen der Flüchtigkeit dieser Stoffe gewählte Wortbestandteil „Äther“ bezieht auf das griechisch-lateinische Wort „aither“ – Himmelsluft oder Weite des Himmels. [Ätherisch heißt auch erdentrückt oder vergeistigt.]

Unter den bis heute wissenschaftlich bekannten, etwa 250.000 höheren Pflanzen liegt der Anteil von Arten, die ätherische Öle enthalten, bei ungefähr einem Prozent. Bei vielen ist dabei der Anteil an Duftstoffen so gering, dass sich die Extraktion nicht lohnt. Innerhalb des Pflanzenreiches kommen ätherische Öle bei den niedrigen Pflanzen nur ausnahmsweise vor. Bei Pilzen scheinen sie gänzlich zu fehlen.

Ätherische Öle können aus allen Pflanzenteilen gewonnen werden: aus Früchten, Teilen von Früchten, Blüten, Blütenknospen, Rinden, Blättern, Blättern und Zweigen, Rhizomen, Wurzeln, Samen, Nadeln und Holz.

Duftlieferanten sind beispielsweise folgende Pflanzenteile:

Blütenblätter –> Rosenöl
Holz –> Sandelholzöl
Wurzel –> Ingweröl
Kraut –> Patchouliöl
Nadeln –> Latschenkieferöl
Samen –> Fenchelöl

Ein wahrer Duftstoff-Produzent ist der Orangenbaum. Die Blüten liefern Neroliöl, aus den Zweigen und Blättern wird Petigrainöl gewonnen, und die Fruchtschalen liefern Orangenöl.

Die Mehrzahl aller Pflanzen, deren Duft auf ätherischen Ölen beruht, wachsen in den wärmeren Regionen der Erde. Besonders reich an duftspendenden Pflanzen ist das Mittelmeer. Neben der geographischen Lage spielen auch andere Faktoren wie Höhenlage, Bodenzustand, Feuchtigkeits- oder Trockenheitsgrad und natürlich auch die Jahreszeit bei der Bildung ätherischer Öle eine entscheidende Rolle.

Synthetisch erzeugte Duftstoffe

Groben Schätzungen zufolge decken die natürlichen Rohstoffe weniger als ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Duftstoffen ab. Die Gründe hierfür liegen unter anderem in dem zunehmenden Bedarf an Parfümölen in allen Lebensbereichen und in der Verknappung von Rohstoffen, zum Beispiel durch schlechte Ernten oder klimatische Schwankungen. Vor allem aufgrund ihrer besseren Verfügbarkeit, definierter Zusammensetzung und Reinheit erhalten synthetische Riechstoffe eine immer größere Bedeutung. Früher war die Synthese von Riechstoffen auf die Reproduktion natürlicher Duftkomponenten begrenzt. Dazu wurde die chemische Struktur eines einzelnen Riechstoffs analysiert und „nachgebaut“. Heute werden mittels chemischer Synthese auch neue, in der Natur nicht existierende Duftbausteine geschaffen, die den Parfümeuren einen völlig neuen, kreativen Spielraum eröffnen.